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14. September 2022

reude, Wut, Liebe, Angst – Gefühle begleiten uns tagtäglich. Durch die unscheinbare Frage «Wie geht es dir?» sind sie Teil vieler Gespräche. Aber nicht immer, oft bleiben sie im Verborgenen. Gerade die junge Generation spricht immer öfter über Emotionen und die psychische Gesundheit und reduziert damit verbundene Stigmata. Die Wichtigkeit der Psyche bemerken auch Unternehmen und lancieren Mental-Health-Programme: Doch was steckt hinter dem Wandel?

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Episode 4
Episode 4
September 9, 2022
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Zwischen Selbstliebe und Gefühlschaos – Emotionen prägen den Alltag und sind das Herzstück unserer psychischen Gesundheit. Doch über Gefühle zu sprechen, fällt vielen schwer. Die junge Generation ist offener und baut damit Stigmas über psychische Erkrankungen ab. Und das dank einer simplen Frage: «Wie geht es dir?»

«Wie geht es dir?» – Im Alltag begegnen wir dieser Frage ständig und erhalten kurze oder ausführliche Antworten. Wir wissen: Die Frage erlaubt Tiefgang, ermöglicht es, dass wir über unsere Gefühlte sprechen, und ist doch eine Floskel.

Pro Mente Sana, eine Schweizerische Stiftung für psychische Gesundheit, wollte wissen, wie es den Menschen in der Schweiz wirklich geht und beauftrage die Forschungsstelle Sotomo mit einer repräsentativen Umfrage. Im September 2018 wurden über 5’500 Menschen in der Schweiz zu ihrem psychischen Wohlbefinden befragt.

Fakt ist: Auf die Frage «Wie geht es dir?» antworten die meisten der Befragten mit «Gut» oder «Sehr gut», obschon das teils gar nicht zutrifft. Die gute Laune trügt. Erst auf konkretes Nachfragen gab beinahe ein Fünftel der Befragten an, sich gegenwärtig in einem länger dauernden psychischen Tief zu befinden. Und fast zwei Drittel bestätigten, dass sie bereits Lebensphasen hatten, in welchen es ihnen nicht gut ging. Die Frage drängt sich auf: Welche versteckten Emotionen verbergen die lächelnden Gesichter?

Den Mutigen gehört die Welt

Emotionen zu thematisieren, fällt vielen schwer. Oft ist es unangenehm und man hat Angst vor den negativen Reaktionen, davor, dass man ein stigmatisiertes Label aufgedrückt bekommt und beispielsweise als Schwächling abgestempelt wird.

«Es braucht Mut, um offen über die Gefühle zu sprechen.»

«Es braucht Mut, um offen über die Gefühle zu sprechen.»

Gareth Morgan
Sportpsychologe

Über Gefühle zu sprechen, heisst, dass man sich um die eigene Psyche sorgt. Allgemein erlebt jede zehnte Person in der Schweiz mittlere bis hohe psychische Belastungen – von Stress, Angstzuständen, Panik-Attacken, Depressionen bis hin zu Burnout. Noch heute sind psychische Erkrankungen grösstenteils ein Tabu in unserer Gesellschaft. Es wird nicht mit einer Offenheit oder Selbstverständlichkeit darüber gesprochen. Und doch tut sich was.

«Die jüngeren Generationen schaffen hoffentlich den Wandel, dass Menschen, die eine Auszeit nehmen, nicht als Schwächlinge gelten.»

«Die jüngeren Generationen schaffen hoffentlich den Wandel, dass Menschen, die eine Auszeit nehmen, nicht als Schwächlinge gelten.»

Roger Staub
Bis Ende August 2022 Geschäftsleiter Pro Mente Sana

Gerade jüngere Personen zeigen sich verletzlich und sprechen über die Psyche und ihre psychische Gesundheit. Sie verkleinern das gesellschaftliche Tabu. So steigt auch die Bereitschaft, sich helfen zu lassen und eine Therapie zu besuchen.

«Wir haben eher gelernt über Gefühlen zu sprechen, damit umzugehen, und machen damit gute Erfahrungen.»

«Wir haben eher gelernt über Gefühlen zu sprechen, damit umzugehen, und machen damit gute Erfahrungen.»

Priszilla Medrano
Designerin und Podcasterin

Menschen sollen Fehler machen, gerade am Arbeitsplatz

Fest steht: Nicht nur die Jungen sprechen offener über Gefühle, auch in Unternehmen gewinnt die Psyche an Bedeutung. Viele Arbeitgeber lancieren Mental-Health-Programme oder Achtsamkeits- und Yoga-Klassen. Denn der Leistungsdruck nimmt zu, ein gesunder Umgang damit ist für Unternehmen und die Gesellschaft unabdingbar.

«Wir fokussieren auf persönliche Bedürfnisse und ermöglichen Zugang zu professioneller Hilfe.»

«Wir fokussieren auf persönliche Bedürfnisse und ermöglichen Zugang zu professioneller Hilfe.»

Gillian Gil
Global Health Services Operational Lead, Johnson & Johnson in der Schweiz

Wichtig ist eine Unternehmenskultur, bei der Fehler gemacht werden können und in welcher über die Gefühlslage gesprochen wird und Hilfe zur Verfügung steht. In einer solchen Umgebung ist man in einem geschützten Raum; da macht die Arbeit Freude, was sich positiv auf die psychische Gesundheit und das Arbeitsklima auswirkt.

Ein Grundrezept für die psychische Gesundheit gibt es nicht. Doch wir alle können mehr zuhören, Empathie zeigen, uns um unsere Mitmenschen kümmern. Und dann Hilfe anbieten, wenn sie notwendig ist.

Episodengäste

Roger Staub

Bis Ende August 2022 Geschäftsleiter der Stiftung Pro Mente Sana

Während seiner Tätigkeit lancierte er die Kampagne «Wie geht es Dir?» und klärte die Schweizer Bevölkerung über die Vielfalt von Gefühlen auf.

Priszilla Medrano

Designerin und Podcasterin

Sie spricht offen über ihre Gefühle und Psyche. Zudem macht sie Schülerinnen und Schüler während ihren Social-Media-Workshops auf die Sonnen- und Schattenseiten der digitalen Plattformen aufmerksam.

Gareth Morgan

Sportpsychologe

Gareth Morgan doktorierte in Sportpsychologie. Als Research Assistent beim Bundesamt für Sport unterstützt er Sportler*innen in den Bereichen psychischen Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und Leistungsoptimierung.

Gillian Gil

Global Health Services Operational Lead

Als Global Health Services Operational Lead bei Johnson & Johnson in der Schweiz ist Gillian Gil Teil eines Teams, das Mental-Health-Programme für die Mitarbeitende von Johnson & Johnson durch virtuelle, digitale und telefonische Ansätze fördert.

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